24h-Hiking-Tour Promo Das war sie also, unsere 24h-Hiking-Tour. Wir sind marschiert einen Tag und eine Nacht lang, ohne Schlafsack und ohne Isomatte natürlich.   Als Strecke haben wir uns den Schluchtensteig im Süd-Schwarzwald ausgesucht und dazu das perfekte Motto gefunden: Black Forrest - Black Hiking.   Dank Mehr Informationen...
Unvergessene Touren Nicht, dass wir auch nur eine einzige unserer Touren vergessen würden. Nein, dafür haben sie uns zu sehr geprägt. Aber eine Verewigung an der richtigen Stelle kann ja nicht schaden, oder? Kochgeschirr oder Trinkbecher, Feuerzeug oder natürlich Messer jeder Art all diese wertvollen Begleiter eign Mehr Informationen...
Minus 30 Grad ... na und? Schließlich machen wir hier keinen Sonntags-spaziergang. Nein, stattdessen sind wir draußen in der Wildnis, mehrere Tagesmärsche von bewohntem Gebiet entfernt und der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Selbstverständlich sind wir seit Tagen allein hier draußen unterwegs.Welcher halbwegs norma Mehr Informationen...
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Laugavegur & Fimmvörðuháls Island 2012

laugavegurDas war unsere zweiwöchige Trekking- und Rundreistour auf der größten Vulkaninsel der Erde. Im knapp 2500 Kilometer entfernten Island bestaunten wir gigantische Eisgletscher, blubbernde Schlammlöcher, imposante Wasserfälle, schießende Geysire, auftauchende Wale, aktive Vulkane und dampfende Lavafelder.

Die GPS Daten unserer Trekkingtour haben wir auf einer Google Maps Karte eingezeichnet. Außerdem ist der ausführliche Tourbericht mit vielen Bildern online.
 
Noch mehr Bilder zur Tour gibt´s hier

 

Tag 1: 22.07.2012      Tolle Aussichten

Mit Verspätung hebt der A320 in Stuttgart ab. Abflugzeit 22:05 Uhr, erwartete Flugzeit ca. vier Stunden. Na dann mal los. Wir steigen in die Luft, keine einzige Wolke ist zu sehen. Das sieht doch schon mal vielversprechend aus. Kaum eine Stunde in der Luft meldet sich der Co-Pilot aus dem Cockpit. Mittlerweile befinden wir uns über Belgien. Einen gigantischen Blick aus dem Flugzeug. Unzählige Lichter sind sternförmig um die Hauptstadt Brüssel angeordnet, denn hier sind Straßen und sogar Autobahnen nachts beleuchtet. Ein kleiner Snack samt Getränk und schon sind wir über Großbritanniens Hauptstadt London angekommen. Die ausführlichen Erklärungen des Co-Pilots sind total interessant und bald geht ein richtig toller Nachtflug zu Ende.

Schnell und unkompliziert finden wir in der Dämmerung den Flybus der uns von Keflavík nach Reykjavík an den Campingplatz fahren wird. Während der über einstündigen Fahrt gewinnen wir die ersten Eindrücke von der Insel… wenn uns das ein oder andere Mal dann doch nicht die Augen zufallen würden. Aktuelle Ortszeit 01.15 Uhr, in Deutschland 03.15 Uhr.

Endlich gibt der Busfahrer per Mikro „Reykjavík Campside“ durch. Yeah, angekommen! Es nieselt leicht. Auf dem Campingplatz haben wir reichlich Auswahl unser Zelt auszubreiten. In dem dicht gepackten Rucksack das Zelt herausfriemeln und aufbauen. Noch Isomatte und Schlafsack ausbreiten, dann legen wir uns todmüde ins Zelt.

 

Tag 2: 23.07.2012      Unterwegs in der nördlichsten Hauptstadt der Welt

Island_2012_T01-1Um 9.15 Uhr kriechen wir aus dem Schlafsack. Die Nacht war erstaunlich warm. Doch geschlafen habe ich eher schlecht, da auf dem Campingplatz eigentlich die ganze Nacht Betrieb herrscht. Die Wolken hängen tief. Es ist etwas duster und es nieselt gelegentlich. Nach dem Zähneputzen und gemütlichen frühstücken ist es immer noch nicht besser. Wir kaufen Gaskartuschen, um die nächsten zwei Wochen unsere Trekkingnahrung zu kochen.

Nun wagen wir es trotzdem, nehmen Fleece und Hardshell mit und machen uns auf in die Stadt. An der Promenade weht ein rauer, kalter Wind, doch die Sonne lässt nicht lange auch sich warten. Vorbei am Theater, durch die Einkaufsmeile von Reykjavík bis zur Betonkirche Hallgrimskirkja.  Leckere Burritos gibt es im Vid Tjörnina. Einem netten, kleinen Restaurant.

Island_2012_T01-2Mit vollem Magen geht es weiter zu Fuß zum Perlan und Sagamuseum. Das sehr aufwändig gestaltete Sagamuseum erzählt über die Geschichte Islands. Unheimliche Silikonpuppen und enorme Geräuschkulissen entführen uns zurück in die Wikingerzeit und der Kulturgeschichte Islands. Der Panoramablick von der Kuppel des Perlans ist wirklich toll.  Jedoch wird es schnell ungemütlich wegen des kalten tosenden Wind der uns um die Ohren fegt. Rasch verziehen wir uns wieder in das Innere der Kuppel. Die vier Kilometer bis zum Campingplatz nehmen wir zu Fuß auf uns. Gut gekleidet setzten wir uns in die Abendsonne und brutzeln die erste Trekkingnahrung in diesem Urlaub.

 

Tag 3: 24.07.2012      Only 4 x 4

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker. Schon früh fährt der Bus nach Landmannalaugar (dt. Rauchbucht). Dort startet unsere Trekkingtour, der Laugavegur – der Weg der heißen Quellen. Zum Frühstück gibt es Müsli mit aufgerührtem Milchpulver. Schnell noch Zelt abbauen, bevor wir vom Bus abgeholt werden. Zunächst geht die Fahrt durch sehr ländliches Gebiet. Vereinzelt sieht man kleine Häuschen und Islandpferde gemütlich auf grünen Wiesen weiden. Kleine Bauernhöfe mit einem mega Silageballenlager. Doch mit der Zeit wird es immer bergiger. Vereinzelt sehen wir Schafe, die über den Sommer von den Bauern frei in die Natur gelassen werden und im September wieder zurück auf die Höfe geholt werden.

Island_2012_T03-1Nach zweieinhalb Stunden endet eine gewöhnliche Busfahrt. Ein kleines Schild „Only 4 x 4“…alles klar! Weiter geht´s auf einer Lavagestein-Schotterpiste. Unzählige Schlaglöcher, Fjorddurchquerungen, Schlammlöcher, enge Serpentinen,…doch dies drosselt die Geschwindigkeit des Busses kaum. Unser Racing-Busfahrer drückt ordentlich auf die Tube. Unglaublich dass ein gewöhnlicher Reisebus für die Überfahrt solcher „Wege“ genutzt wird. Eigentlich total verrückt. Keine Ahnung was die Stoßdämpfer und Co. davon halten… Eine Herde Islandpferde kreuzen unseren Weg. Wir halten an. Kurzer Fotostopp mit Blick auf die Hekla, „die Verhüllte“. Die Hekla gehört zu den bekanntesten und aktivsten Vulkanen auf Island und ist daher auch sehr gefürchtet. Unter der Hekla befinden sich nicht nur 2 Magmakammern, die in 8 km Tiefe liegen, sondern auch eine Triple Junction. An diesem Kreuzungspunkt trifft die südliche isländische Erdbebenzone auf die östliche Vulkanzone. Wir steigen aus, es zieht wie Habicht und ist a...kalt. Plötzlich kommt der Busfahrer des nachfolgenden Busses hergelaufen und bringt uns die Radkappe wieder. Ja gut, solange es nur die Radkappe ist =).

Island_2012_T03-2Pünktlich um 12.30 Uhr kommen wir in Landmannalaugar an. Steinig oder sumpfig? Der Zeltaufbau scheitert vorerst am miesen Untergrund. Das Zelt steht kaum und dann fängt es zu regnen an. Wir warten ab und vespern derweil im Zelt. Der Regen wird nach eineinhalb Stunden etwas schwächer, es bleibt aber sehr trüb. Wir entscheiden uns trotzdem den Bláhnúkur (dt. blaue Kuppe; 960 m) zu erklimmen. Ein kurzer, sehr steiler Aufstieg über losen und tiefen Lavasand führt uns zum Gipfel. Bunte, teils schneebedeckte Berge lassen den Atem stocken. Trotz tief hängenden Wolken ist der Blick in die farbenfrohe, zerklüftete Landschaft wirklich einzigartig. Am liebsten würden wir hier noch ein paar Stunden verbringen. Doch es wird immer dunkler und wir machen uns auf den Weg Richtung der Schlucht Grænagil. Der erste Teil des Abstiegs ist noch einfach begehbar. Unbefestigter Lavasand folgt. Wir rutschen im Sand den Berg runter. Nach der ersten Überwindung macht es richtig fun bergabwärts zu schlittern. Der Abhang endet an einem Fjord, der zu durchqueren ist. Nur blöd dass wir unsere Trekkingsandalen vergessen haben =). Balanceakt über ein paar ins Wasser geworfene Steine.

Einige hundert  Meter bis Landmannalaugar, dann ist unser Ausflug auch schon wieder vorbei. Es ist spät und wir freuen uns auf´s Abendessen.

 

Tag 4: 25.07.2012      Waagerechter Regen / Es dampft aus allen Ritzen

Island_2012_T04-1Der Regen weckt uns auf. Frühstück gibt es daher im Zelt. Obwohl das Wetter alles andere als einladend ist, gehen wir in die warme Quelle zum Baden. Herrlich, keine Menschenseele. Hier entspringen verschiedene Heißwasser-Flüsse als auch Kaltwasserquellen, die sich in einem kleinen warmen Fluss auf angenehme 33 Grad erhitzt vermischen. Danach bauen wir das Zelt im Regen ab und packen unsere Rucksäcke so, dass alles volumentechnisch Platz hat und die Aufteilung des Gewichtes stimmt. Wirklich eine logistische Herausforderung…

Jetzt geht´s los auf die erste Etappe des Laugavegurs. 700 Höhenmeter müssen wir überwinden, zunächst geht es über zerklüftetes Lavafeld. Das Rhyolithgestein ist von unzähligen kleinen Furchen und Tälern geprägt, aus denen Dampffahnen, so genannte Fumarolen emporsteigen. Schwefelgase und Kohlendioxid werden freigesetzt. Es stinkt wie nach faulen Eiern. Nach den ersten Metern lässt der Regen zum Glück nach. Doch in der Ferne sind keine Gipfel der Berge zu erkennen. Es ist kalt und windet sehr stark.

Island_2012_T04-220 Minuten später heißt es Poncho anziehen. Der Wind treibt einen waagerechten Regenschauer über das Land. Die Sicht ist schlecht. Eingemummt in unseren Poncho setzten wir einen Schritt vor den anderen und versuchen einfach nur weiter zu kommen. Wir laufen und laufen. Unsere Fjällraven Hose hält zum Glück so einiges ab.

Gegen Ende der Etappe hört es auf zu regnen. Wir überqueren ein größeres Schneefeld. Von oben ist die unser heutiges Etappenziel, die Hütte Hrafntinnusker zu sehen. Mit voller Vorfreude steigen wir ab und schlagen unser Zelt auf einem Boden aus Lavakiesel in einem kreisförmigen Steinwall auf, der das Zelt vor dem starken Wind schützen soll.

Einzelne Sonnenstrahlen blitzen durch die Wolken durch. Wir machen einen Ausflug auf den Berg Söðull (dt. Damensattel; 1132 m), der in nur knapp einen Kilometer von der Hütte entfernt ist. Wir blicken zurück Richtung Landmannalaugar und sehen schließlich die prächtige Landschaft, durch die wir heute im Nebel und Regen gestapft sind.

Island_2012_T04-3Kurzerhand machen wir noch einen Abstecher zur 2,5 Kilometer fernliegenden Eishöhle Ishellir. Der Pfad führt über das Gipfelplateau des Hrafntinnusker. Wir marschieren über schwarzen Lavasand, anschließend über das vereiste Altschneefeld abwärts. Ein wunderschöner Fleck. Die Bilder sprechen für sich. Das Schmelzwasser bahnt sich seinen Weg durch viele kleine Bäche. Am Fuße der Eishöhlen befinden sich mehrere heiße Quellen. Es blubbert aus dem Boden. Das Wasser ist so heiß, dass wir nicht reinfassen können. Wir wagen uns nur in die Nähe der Eishöhle, nicht aber hinein. Es ist viel zu gefährlich. Hinweistafeln warnen vor dem Einstürzen der Eishöhlen.

Die Sonne verschwindet langsam aber sicher hinter dem Horizont. Wir treten den Rückweg an und gehen wieder den schneereichen Weg zurück. Der Schnee ist lokal unterhöhlt durch Sofatarenaktivität. Jürgen der vor mir geht bricht plötzlich bis zur Hüfte in die Tiefe. Erschrocken helfe ich ihm wieder raus. Es ist nichts passiert. Beide sind sehr erleichtert. Nach der Rückkehr am Zelt bereiten wir unser Abendessen zu und verkriechen schnell ins Zelt, welches uns vor dem eisigen Wind schützt.

 

Tag 5: 26.07.2012      Farben begeistern 

Island_2012_T05-1Die Nacht ist eiskalt, null Grad! Trotz Thermounterwäsche, Socken, T-Shirt, Fleece, Wintermütze frieren wir sehr. Den Thermo-Mumien-Schlafsack haben wir so weit geschlossen, dass nur noch Nase und Mund rausschauen. Es hat so stark abgekühlt, dass wir nicht einschlafen können. Wir wälzen uns hin und her. Wir quatschen über dies und das, Hauptsache die Zeit geht schneller vorbei und wir vergessen etwas die Kälte. Unser Zelt ist mit Eiskristallen bedeckt.

In aller hergottsfrühe stehen wir auf. Der Himmel ist klar und endlich ist einmal die Sonne zu sehen. Dick eingepackt mit Jacke und Wintermütze sitzen wir vor das Zelt und kochen uns einen Tee zum Müsli, um uns aufzuwärmen. Erst dann machen wir uns auf die Socken. Die Tour führt über sehr viele kleine Berge und Tä-ler, was sehr kräftezehrend ist. „Uffi gots und abbi gots“… Noch lange ist die letzte Hütte zu sehen.

Island_2012_T05-2Schwefelkristalle lassen sich bewundern. Knapp unter der Erdoberfläche beginnen diese ihr Wachstum und drücken farbigen Lehm aufwärts. Vorbei an heißen Quellen, durch Furten und dem Fjord Jökulgil, hinauf zum Hochplateau Jökultungur. Hier oben werden wir mit einer tollen Aussicht belohnt.

Schneefelder, der Gletscherbach Grashagakvisl und unser heutiges Ziel, der Álftavatn See (540 ü. M.) sind zu sehen. In der Weite des Hochlandes schimmert die Eiskappe des Mýrdalsjökull, der viertgrößte Gletscher Islands. Wir steigen nun über 300 Höhenmeter ab. Derweil fängt es an zu nieseln. Schnell merke ich, dass der lange Abstieg mit dem schweren Rucksack mir ganz schön zu schaffen macht. Zum Schluss merken wir jeden Tritt in den Kniegelenken. Einen Trost gibt es. Es hört nach 15 Minuten wieder auf zu regnen. Weiter geht’s am Gletscherfjord Grashagakvisl entlang, bis wir ihn letztendlich überwinden müssen.  Leichter gesagt als getan. Das Schmelzwasser vom Gletscher hat eine starke Strömung. Daher  wollen wir nicht durch den Fjord, sondern über Steine irgendwie rüber springen. Die Trekkingstöcke sind in diesem Fall wirklich Goldwert und wir schaffen die Überquerung sogar ohne nasse Füße zu bekommen. Bis zum Álftavatn See marschieren wir circa drei Kilometer ein Tal entlang. Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit.

Island_2012_T05-3Auf dem großen, sehr schön gelegenen Campingplatz schlagen wir unser Zelt so schnell wie möglich auf. Schlechtes Wetter ist wieder im Anmarsch. Nichts war´s mit schön am See vespern. Das Knäckebrot, die Dosenbierwurst und die Babybels müssen wir wohl oder übel im Zelt essen. Eine halbe Stunde vergeht und es ist von oben wieder trocken. Jetzt geht es erst einmal unter die erste wohlverdiente Dusche seit dieser Tour…und es gibt ein frisches T-Shirt, hurra! Alles nasse hängen wir an unser improvisiertes Wäscheseil zum Trocknen. Die Sonne scheint, der Wind ist relativ warm. Das erste Mal, dass es hier nur mit T-shirt und Hardshell zumindest kurzzeitig richtig angenehm ist. Ich lege mich in die Wiese und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen…und ich fühle mich pudelwohl.

Pleiten, Pech und Pannen auch in diesem Urlaub. Unser Versuch, Pfannenkuchen-Trekkingnahrung zuzubereiten endet in einer unfertigen, flüssigen Teigplörre. Hauptsache wir haben etwas zu lachen. Als wir dann hungrig anfangen möchten Abendessen zu kochen, fängt es dann zum dritten Mal an zu Regnen. Also warten wir. Solange gibt’s halt Studentenfutter. Eine Runde Karten spielen darf natürlich auch nicht fehlen.

 

 

Tag 6: 27.07.2012      Die schwarze Lavasandwüste

Island_2012_T06-1Strahlend blauer Himmel und erstaunlich warm. So kann sich das Wetter noch öfters sehen lassen. Wir setzten uns erst einmal in die Wiese und frühstücken.

Um neun be-ginnen wir die nächste Etappe. Das Ziel Emstrur, knapp 17 Kilometer entfernt. Gleich am Anfang heißt es Fluss durchwaten. Schuhe aus, Socken aus, Hose hochkrempeln und Trekkingsandalen anziehen. Der Fjord Bratthalskvisl ist nicht sehr tief, aber total kalt. Island_2012_T06-2Beim Durchwaten verziehen wir zwei erst einmal böse das Gesicht. Auf der anderen Uferseite Trekkingsandalen aus, Füße abtrocknen, Socken und Wanderschuhe wieder an. Ist das jetzt wieder schön warm in den Schuhen… Kurz darauf folgt ein netter kleiner Campingplatz. Über eine Fußgängerbrücke überqueren wir den tosenden Gletscherfluss Kaldaklofskvisl. Der Laugavegur führt weiter zum Gletscherfluss Blafjallakvisl. Dieses Mal geht das eiskalte Wasser bis über die Knie. Die Strömung zerrt an den Waden und wir bekommen trotz Hosenbein hochkrempeln eine nasse Hose. Mhh, das klebt so schön an den Waden. Doch unsere Fjällräven Hose ist ja schnell wieder trocken und die Schweißfüße sind auch wieder weg. Glück im Unglück hat Jürgen. Die ersten beiden Tritte wieder an Land, fallen die Wanderschuhe zu Boden, welche er zuvor an seinem Rucksack gebunden hatte. Einen halben Meter früher und die Wanderschuhe wären mit der Strömung des Gletscherflusses mitgetrieben. Ich denke wir hätten sie kaum wieder bekommen.

Island_2012_T06-3Die schwarze Sandwüste Emstrur ist geprägt von unterschiedlichen Stein- und Blumenarten. Der reißende Fluss Innri-Emstrur  fließt mit einer immensen Kraft unter uns. Ganz wohl ist es mir nicht, auch wenn die Brücke ziemlich stabil aussieht. Gelegentliche Windböen wirbeln den schwarzen Sand um uns. Mittagspause in mitten der Sandwüste auf einem großen Stein. Links und rechts ein paar Berge. Angenehm warm hier. Vor uns pechschwarzer Sand, eine Ruhe mal ohne Wind und wir mittendrin, einfach genial. Gut gestärkt geht’s weiter. Noch etwa fünf Kilometer bis zum Camping Emstrur. Wir ziehen kurzzeitig unsere Hardshell aus und gehen im T-Shirt weiter. Nach einer kleinen Anhöhe sehen wir die Schlucht des Markarfljótsgljúfur. Richtung Süden befindet sich auch schon unser Nachtlager. Wir suchen uns ein nettes Plätzchen direkt am Fluss. Wanderschuhe aus und die Socken stauben richtig schön vom schwarzen Lavasand. Nach einer Ruhephase möchten wir uns die Schlucht Markarfljótsgljúfur (dt. Schlucht des Waldflusses) anschauen. Ein vier Kilometer langer Rundweg liegt nicht weit vom Campingplatz entfernt. An der Schluchtkante bekomme ich weiche Füße. Ich schaue knapp 200 Meter in die Tiefe, dazu bläst ein kräftiger Wind.  Die Farbenpracht der Schlucht ist sehr sehenswert. Von hier sind auch die Gletscherzungen des Mýrdalsjökull, Eyjafjallajökull und Tindfjallajökull zu bestaunen. Zurück am schönen Bach zaubern wir uns aus einer Fertigpackung Penne mit Bolognese.

 

Tag 7: 28.07.2012      Begehen auf eigene Gefahr

Island_2012_T07-1Dick im Schlafsack eingemummt, blicken wir aus dem Zelt. Blauer Himmel ohne eine einzige Wolke und total kalt. Etwas früher als gewohnt marschieren wir los. Zu Beginn der Etappe warnt eine Hinweistafel vor einem möglichen Ausbruch des nahen Gletschervulkans Katla und zeigt auf was im Notfall gemacht werden muss. In der Vergangenheit gab es nach der Eruption des Eyjafjallajökull auch immer eine der Katla. Also ist große Vorsicht geboten, da im April 2010 der Eyjafjallajökull glühende Magma in den Himmel spuckte.

Ein sehr steiler Abhang führt zum Fluss Fremri-Emstruá, der 100 Meter unter den Füßen durchdonnert. Für den Abstieg sind Ketten und Seile vorhanden. Weiter schreiten wir auf das Hochplateau mit erneuter Aussicht auf den Canyon. In der Ebene gehen wir auf Lavasand weiter. Vereinzelt sind Schafe, Blumen und erste Büsche zu sehen. Geschafft vom Anstieg legen wir auf dem Bergrücken Kapa eine Vesperpause ein. Neben Schinken-Krakauer, Babybel und Knäckebrot schauen wir ins Land zurück. Schau mal, von ganz da hinten in der Wüste kommen wir her, einfach ein unbeschreiblich tolles Gefühl!

Island_2012_T07-2Es folgt wohl die bemerkenswerteste Herausforderung der Laugavegurs, die Durchquerung der Furt Prönga. Wirklich nicht einfach durch zu kommen. Das Wasser ist zurzeit schenkeltief, die Strömung so stark wie keine bisher. Unsicherheit bei jedem Schritt. Die Strömung nimmt das Trittbein mit. Wo trete ich jetzt hin? Habe ich dort Halt? Erleichtert kommen wir auf der anderen Seite an.

Island_2012_T07-3Durch Büsche verläuft ein Pfad hoch bis es links nach Langidalur über den Berg abgeht. Fotostopp und noch einmal die Aussicht über Þórsmörk, den Fluss Krossá und die zurück gelegte Strecke genießen. Nicht mehr weit von hier ist das Meer, welches deutlich zu sehen ist. Ein paar Meter bergabwärts und wir sehen die Hütte Skagfjördsskali, welche auch mit einem Geländebus oder Jeep erreichbar ist. Es ist kaum was los. Mitten auf dem Campingpatz machen wir uns breit. Es ist richtig warm. Jetzt ein kaltes Bier, das wär doch edel. Hier könnte es doch eines geben. Daran glauben tuen wir zwar nicht, aber ich mache mich trotzdem auf den Weg. Ich frage nach und tatsächlich, unser Wunsch wurde erhört. Wir genießen das tolle Wetter, flacken uns in die Wiese, setzten die Sonnenbrille auf und trinken erst einmal ein Bier. Programm ist sogar auch noch geboten. Der Gletscherfluss Krossá, der wenige Meter vor uns ist, ist ziemlich heimtückisch. Wer hier an die Hütte möchte muss diese Hürde nehmen. Doch die Durchquerung hat schon einigen Autos und Bussen das „Leben“ gekostet. Ein Traktor lotst die Geländewagen durch den Fluss. Bleibt doch jemand stecken, wird versucht ihn rauszuziehen. Der erste Abend in Island, an dem wir bis in die Abendstunden gemütlich draußen sitzen können.

 

Tag 8: 29.07.2012      Feuer und Eis

Island_2012_T08-1Vor acht Uhr geht´s los. Zelt, Schlafsäcke, Luftmatratzen, Essen, alles wird in den Rucksäcken wieder so verstaut, das alles Platz hat und das Gewicht gut verteilt ist. Schließlich haben wir heute einen Aufstieg von 1100 Metern zu meistern. Das Wetter sieht gut aus, neun Grad. Wir marschieren den Krossá flussaufwärts um möglichst ohne Schuhe ausziehen über die vielen Flussbette zu gelangen. Doch das stellt sich schwieriger dar als gedacht.  Nach drei Kilometer flussaufwärts finden wir endlich eine geeignete Stelle. Das Hauptflussbett können wir mit Hilfe einer mobilen Brücke überqueren. Den Zeltplatz Basar lassen wir rechts liegen, bevor die ersten 300 Höhenmeter überwunden werden.

Der  steile, rutschige Aufstieg an einer senkrecht fallenden Gratkante wird durch Stahlseiler gesichert.

Island_2012_T08-2Erste Schneefelder haben wir hinter uns. Beeindruckende Sicht ins Goðaland – das Land der Götter. Funkelnde Eiszungen und Gletscherflüsse rauschen in tiefe Schluchten. 140 Meter höher ist der schneebedeckte Krater Eyjafjallajökull das erste Mal richtig nah zu sehen.  Es ist unangenehm kalt. Wir ziehen Handschuhe und Wintermütze an. Es geht weiter über den knackigen Steilhang Brattafönn (dt. steiles Schneefeld). Das Wetter wird zunehmend schlechter. Der Pfad führt weiter um einen kleinen Berg. Mit voller Vorfreude auf das neue Lavafeld Goðahraun steigen wir zügig weiter auf. Das neue Lavafeld des Eyjafjallajökull aus dem Jahr 2010 ist bereits zu sehen - wir sind schwer beeindruckt. Wir machen einen Abstecher auf der neuen Lava. Die Oberfläche des neuen Lavafeldes ist größtenteils abgekühlt. Trotzdem ist Vorsicht geboten.  Stellenweise steigen dicke, sichtbare Rauschschwaden hoch. Heiße Dämpfe dringen an die Erdoberfläche. Die Hitze ist deutlich zu spüren. Um nur kurz die Hände zu wärmen ist dieser Dampf schon zu heiß. Wir sind vorsichtig und bleiben nicht lange an einem Fleck stehen. Man wird gewarnt den Rucksack abzustellen und auch das Schuhsolen schmelzen können. Farbenprächtiges Lavagestein kommt zum Vorschein. Ein toller Moment. Dieses Erlebnis kann mir niemand mehr nehmen. Ich bin sprachlos. Nicht lange können wir hier neben dem Gletschervulkan pausieren.  Es ist ungemütlich und wir kühlen langsam aber sicher ab. Wir wandern weiter Richtung der Hütte Fimmvörðuskáli in der wir übernachten werden.

Island_2012_T08-3Mehrere Schneefelder liegen auf unseren Weg. Wir sehen noch zwei MTB Fahrer. Keine Ahnung wie die zwei Spinner mit einem Fahrrad hier hoch kommen. Das Wetter zieht immer mehr zu. Wir sehen zu, dass wir vorwärts kommen. Circa drei Kilometer bis zum Ziel.

Der eigentliche Pfad führt über eine drei Meter hohe Eisbrücke, die aber schon eingebrochen ist und uns alles andere als sicher erscheint. Mit Hilfe des GPS suchen wir nach einer neuen Möglichkeit an die Hütte zu gelangen. Wir gehen weiter flussaufwärts und überqueren diesen an einer schmaleren Stelle, an der ebenfalls mehrere Eisblöcke heruntergebrochen sind. Doch diese Stelle kommt uns sicherer vor. Wir klettern die Eisblöcke hoch und überwinden mit zwei großen Schritten zwei kleinere Eisspalten. Zur Hütte geht’s auf Lavaasche weiter sehr steil nach oben. Der Wind wird energischer und der Nebel wird dichter. Wir sind froh die Hütte erreicht zu haben.

Island_2012_T08-4Die 1990 renovierte Hütte Fimmvörðuskáli sieht sehr urig aus. Gerda, die für eine Woche hier die Hüttenwirtin ist, empfängt uns sehr freundlich und macht uns mit den Gepflegtheiten in der Hütte vertraut. Die Hütte hat kein fließendes Wasser. Es muss Schnee auf dem Ölherd geschmolzen werden. Der Schnee wird ein paar Meter nebenan geholt. Es wird ein Loch gebuddelt, um möglichst wenig lavasandhaltigen Schnee zu schöpfen. Gasflaschen, Öl und sonstige schwere Gegenstände werden mit einem wuchtigen, 12-achsigen Fahrzeug hier hoch gebracht.

Wir setzen uns erst einmal an den Tisch mitten in der kleinen Hütte, packen unser Vesper aus und erholen uns vom anstrengenden Aufstieg. Mittlerweile treffen weitere Wanderer ein. In dieser Nacht ist die Hütte leider überbucht. Das heißt es müssen ein paar auf dem Boden schlafen. Langsam meldet sich der Magen wieder. Wir kochen uns Spätzle mit Linsen und dazu einen Tee. Auf die kommende Nacht sind wir sehr gespannt. Die ersten schnarchen schon.

 

Tag 9: 30.07.2012      Abstieg mit Hilfe von GPS-Koordinaten

Island_2012_T09-1Früh morgens steigen wir 1.100 Meter nach Skógar ab. Die Abstiegsroute durch ein großflächiges Vulkanaschefeld direkt am Skógá ist lang, aber laut der Hüttenwirtin Gerda sehr schön – was wir leider nicht sehen können. Die Sicht ist extrem schlecht. Die anderen Trekker entschieden sich noch auf der Hütte zu verweilen, in der Hoffnung auf besseres Wetter. Die nächste Wegmarkierung ist nicht zu erkennen. Wir sind sehr froh ein GPS Gerät bei uns zu haben. Wir peilen die Richtung und laufen im dichten Nebel bergab, in der Hoffnung dass es hier auch weiter geht.

Nach 450 Höhenmetern können wir die Landschaft zumindest in einem Umkreis von 300 Metern wahrnehmen. Die unzähligen Wasserfälle des Skógá und die Schluchten sind jetzt besser zu sehen. Schade, bei guter Sicht könnten wir die faszinierende Küste und das Meer sehen.

Der Pfad führt uns scharf links über eine Brücke. Von der Brücke ist eine seismologische Messstation zu sehen. Diese schauen wir uns genauer an. Zum Flusslauf geht’s zurück, viele weitere kleine Wasserfälle sind zu bestaunen.

Island_2012_T09-2Nach über vier Stunden Abstieg können wir die die ersten Häuser vom 20 Seelendorf Skógar sehen. Unsere Knie schmerzen. Die letzten 1.000 Höhenmeter machen sich  deutlich bemerkbar. Das krönende Ende unserer Trekkingtour ist der 62 Meter hohe Wasserfall Skógafoss. Gleichzeitig bedeutet dies wieder die Ankunft in der Zivilisation.

Oberhalb vom Wasserfall führt uns eine hohe Treppe direkt auf den Campingplatz. Wir erholen uns erst einmal auf einer satten grünen Wiese und feiern unseren Tourerfolg =).

Nach einer erfrischenden Dusche kochen wir uns eine Kleinigkeit zu essen. Am Spätnachmittag besichtigen wir das wunderschöne Heimat- und Freilichtmuseum von Skógar. Seit der Gründung 1949 beleuchtet das Museum den Lebensraum der Isländer. Werkzeuge aus Walknochen, Schuhe aus Fischhaut, Fischerboote, alte Urkunden, Möbel und vieles mehr wurden von früher gesammelt. Restaurierte Gebäude wie Stallungen, winzige mit Grassoden bedeckte Bauernhäuser, einer Kirche und Schule zeigen die Wohnverhältnisse. Wirklich sehr empfehlenswert hier vorbei zu schauen. Abends regnet es sehr stark.

 

Tag 10: 31.07.2012    Wie im Bilderbuch

Island_2012_T10-1Im Zelt ist das Rauschen des Skógafoss zu hören. Die Sonne scheint und es ist außerordentlich warm. Voller Vorfreude springen wir aus dem Zelt und gehen vor zum Wasserfall solange es hier noch wenig los ist. Keine Menschenseele außer uns beiden an dem 62 Meter hohen Wasserfall. Wir genießen die Ruhe. Heute geht unsere Reise weiter in den Nordosten. Der Bus fährt pünktlich um 11.40 Uhr nach Höfn über Vík und Jökulsárlón (dt. „Gletscherflusslagune“) ab.

Eine halbe Stunde später kommen wir in Vik an. 25 Minuten hat der Bus Aufenthalt an einer Tankstelle mit einem Pepsi Schnellrestaurant. Wow, das kommt uns gerade recht! Wir haben tierisch hunger. Das Frühstück ist schon ein paar Stunden her. Wir bestellen uns einen Sandwich mit Pommes und ein Bier. Gierig vertilgen wir das Toastbrot mit den lommeligen Pommes, Ketchup und Mayo. Ach und ihr wisst ja gar nicht wie gut diese Mahlzeit war!! Ich glaube nach eineinhalb Wochen Nudelfertigpackungen schmeckt einfach alles richtig gut =)! Richtig geil!

Island_2012_T10-2Knapp drei Stunden Busfahrt liegen vor uns bis zur nächsten Zwischenstation Jökulsárlón. Drei Stunden Busfahrt klingen zunächst langweilig. Ganz im Gegenteil, Island zeigt sich die von seiner besten Seite. Die Landschaft ist verblüffend vielfältig. Zwischen uralten, moosbedeckten erkalteten Lavafeldern findet sich saftiges, grünes Weideland mit ein paar Bauernhöfen, mit wenigen Kühen aber zahlreichen Islandpferden und Schafen. Die Ringstraße führt an steil zum Meer abfallenden Buchten entlang. Auf der anderen Seite eisbedeckte Gletscher. Zahlreiche reißende Gletscherflüsse überqueren wir auf  ein-spurigen Metall-Brücke. Der Gegenverkehr muss entweder auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke warten oder bei längeren Brücken gibt es auch ein paar wenige Einbuchtungen.

Island_2012_T10-3Der See Jökulsárlón liegt südlich vom Vatnajökull (2110 m) direkt an der Ringstraße. Mächtige Eisblöcke lösen sich von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab und treiben in die 17 km² große Lagune und bleiben dort bis zu fünf Jahre bestehen. Die bis zu 30 Meter hohen Eisgiganten schimmern in den Farben weiß, blau und schwarz. Die Wechselwirkung von Licht und Eiskristallen erscheint im tollen himmelblau, gemischt mit schwarzer vulkanischer Asche. Es besteht die Möglichkeit mit einem Amphibienfahrzeug eine 30-minütige Rundfahrt zu buchen.

Nach knapp 300 Kilometer Busfahrt kommen wir am Abend in Höfn an. Dort legen wir einen Zwischenstopp ein und bauen dort auf einem schön gelegenen Campingplatz unser Zelt auf. Da unsere mitgeschleppten Vorräte nach eineinhalb Wochen zu Neige gehen, schnappen wir den Rucksack und gehen einkaufen. Den Tag beenden wir mit einem Spaziergang an den Hafen und anschließend einem sehr leckeren Fischmenü im Kaffi Horned.

 

Tag 11: 01.08.2012    Ab zum Mückensee

Heute heißt es wieder früh aufstehen. Mit dem Bus wollen wir über Egilsstadir nach Mývatn, in das heute noch aktive Vulkangebiet der Krafla. Auf einer Anhöhe mit Blick auf die Bucht frühstücken wir. Leider lässt sich die Sonne noch nicht blicken. Der Wind ist sehr frisch und wir frieren wieder einmal. Just in time packen wir unseren Krempel zusammen.

Island_2012_T11-1Lange führt die Strecke an der Küste entlang. Teilweise sehr fruchtbares Land, darauf folgt Vulkangebiet, karges Gestein und viele Gletscherausläufe. Die letzten Kilometer Richtung Mývatn sind nahezu unbewohnbar. Schwarze Sandwüsten prägen die Gegend.

Nach sechs Stunden Busfahrt kommen wir am Mývatnsee, mit seinen abartig vielen Mücken an. Hier ist sehr viel los. Wir setzten uns ganz vorn an den See und genießen einen geräucherten Lachs aus Höfn.

Schnell wird es ungemütlich wegen des Windes. Wir nehmen eine ausgiebige Dusche und machen einen Abendspaziergang im Sonnenuntergang am See zur Kirche von Reykjahlíð, die 1729 von einem Lavastrom – die Feuerlava - umflossen wurde.

 

 

 

Tag 12: 02.08.2012    Was die Natur zu bieten hat

Island_2012_T12-1Die geplante Halbtageswanderung führt uns ins acht Kilometer entfernte Dimmuborgir (dt. dunkle Städte oder dunkle Burgen). Der Weg führt vorbei an der Grjotagjá-Spalte, über den inaktiven Vulkan Hverfell zum Dimmuborgir-Becken.

Die Grjotagjá-Spalte zeigt den Verlauf der Grenze zwischen den zwei Kontinentalplatten, der amerikanische und die eurasische Platte an. Diese Spalte vergrößert sich um mehrere Zentimeter pro Jahr. Es entstehen tiefe Spalten und Risse, die sich mit kristallklarem, heißem Wasser füllen.

Der Tephra-Krater Hverfell befindet sich noch weitere zwei Kilometer von uns entfernt. Der früher gefürchtete, inzwischen inaktive Krater dominiert die Umgebung des Sees. Der 463 Meter hohe Krater hat einen Durchmesser von über 1000 Metern. Der klaffende Schlund des Berges vom Kraterrand aus gesehen und die Umgebung um den Mývatnsee ist berauschend.

Island_2012_T12-2Die Wanderung geht weiter Richtung Norden zum Dimmuborgir-Becken. Vor rund 2000 Jahren floss über das noch glühende Lavafeld des Hverfell neue Magma. Die Oberfläche der neuen Lava erstarrte. In der flüssigen Masse darunter bildete sich ein immenser Druck. Als die flüssige Masse an die Erdoberfläche aufstieg, bildeten sich so genannte Vulkanitsäulen die von flüssigem Gestein umgeben waren. Der Lavadamm brach ein, zurück blieben nur die Säulen. Diese und andere bizarren Gestalten machen das Gebiet sehr interessant. Richtig urig hier. Unge-mütlich wird es als eine Horde von Menschen uns entgegen kommt. Es scheint so als würden die Sightseeing Busse alle Touris hier absetzten. Daher entschließen wir uns den Rückweg anzutreten.

Island_2012_T12-3So ein Bad im angenehm warmen, türkiesblauen Wasser des Naturbads unter freiem Himmel wäre jetzt noch ausgezeichnet! Die Frage ist nur, ob wir die acht Kilometer zurücklaufen um unsere Badesachen zu holen und dann noch weitere vier Kilometer bis zum Bad laufen und nach dem Baden wiederum vier Kilometer zurück. Naja zunächst einmal bin ich alles andere als überzeugt von Jürgens Vorschlag. Doch eigentlich möchte ich mir so ein Bad in der Lagune auch nicht entgehen lassen. Also was soll´s. Auf geht’s. Wir legen noch einen Zahn zu und laufen zum Zeltplatz um unsere Sachen zu holen und eine Kleinigkeit zum Essen.

Es ist mittlerweile 15 Uhr und wir sind hungrig. Auf dem Weg zum Naturbad schnallen wir den Rucksack ab und vespern in mitten eines Lavafeldes. Einige Kilometer von uns entfernt steigen Dampfwolken auf. Die geothermische Energie in den Tiefen um den Zentralvulkan Krafla ist enorm. Wirklich ein ungewöhnliches Bild.

Gestärkt geht es die letzten drei Kilometer zur Lagune. Wir sind sehr gespannt was uns erwartet. Angelegt mit Teichfolie und Steinen ähnelt das Thermalfreibad einem riesigen Teich. Dieser ist umgeben von den für Island typischen Lavafeldern und seinem schwarzen Lavasand und mittendrin bricht die gelöste Kieselsäure im Wasser das himmelblaue Licht. Echt Wahnsinn! Das satte hellblaue, milchige Wasser ist besonders reich an Mineralien und kommt vom nahegelegenen Kraftwerk Kröflustöd. Aus dessen Bohrlöchern wird der Dampf gewonnen und zu Wasser kondensiert. Das rund 40 Grad warme Wasser hinterlässt einen schmierigen Film auf der Haut und stinkt abartig nach faulen Eiern - Schwefel, bahh. Wirklich sehr gewöhnungs-bedürftig! Wir werden doch hoffentlich nach zweieinhalb Stunden baden und anschließendem Duschen nicht mehr danach riechen oder?! Egal, wir lassen´s uns gut gehen und entspannen nach den Anstrengungen der letzten eineinhalb Wochen, bevor wir wieder den vier Kilometer langen Heimmarsch antreten.

 

Tag 13: 03.08.2012    Ist ja Irre

Island_2012_T13-1Heute steht so einiges auf dem Programm. Unsere vorletzte Station, eine tolles Städtchen gelegen in einer Bucht– Húsavík. Doch bis dahin haben wir noch viel vor. Die zehnminütige Busfahrt vom Mývatnsee führt uns zur Krafla. Die aktive Vulkanzone mit dem besagten geothermischen Kraftwerk Kröflustöd, versorgt tausende Menschen mit der Energie aus den Magmakammern. Seit dem Bau des Kraftwerks 1975 ändert sich durch Eruptionen immer wieder die Dämpfförderung der Bohrungen, als auch die chemische Zusammensetzung des Dampfes. Eine große Herausforderung. 

Der Leirhnjúkur (dt. der Lehmgipfel) ist ein aktiver Vulkan in Island. Die voneinander abgesetzten Lavaschichten sind deutlich zu sehen. In beeindruckenden Farben leuchtet der Leirhnjúkur-Krater, umgeben von unzähligen Fumarolen. Die Gase, die hier ausströmen sind bis zu 1000 °C heiß. Tiefgraue Schlammtümpel köcheln vor sich hin. Eine ölige Brühe füllt die Löcher drumherum. Ein deutliches Zeichen, dass der Vulkan ganz in der Nähe noch nicht erloschen ist sondern jederzeit ausbrechen könnte.

Island_2012_T13-2Oberhalb am Grater ist die erkaltete Lava vom sogenannten Mývatn-Feuer fantastisch zu sehen. Die Unruhe erstreckte sich damals über fünf Jahre von 1724 bis 1729. Die graue Lava bahnte sich ihren Weg ins Tal. Diese Lava ist größtenteils überlagert mit schwarzen Lavaschichten der Eruptionen in den Jahren 1975 bis 1984. Die Schichten sind klar zu sehen. Wir sind total beeindruckt. Wir machen uns weiter auf dem Rundweg. Oft stehen wir mitten im Dampf und dann wird´s ganz schön warm unter unseren Füßen. Total irre.

Der Krater des Stóra-Víti entstand ebenso während des berühmten Mývatn-Feuers. Heute schimmert aus dem Kraterbecken ein tiefblauer See. Wir haben noch Zeit bis der Bus uns abholt. Gemütlich setzten wir uns an den Kraterrand. Es weht ein kühler Wind. Wir ziehen den Reißverschluss unserer Jacken zu und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen.

Die Reise geht weiter an den mächtigsten Wasserfall Europas, den Dettifoss (dt. stürzender Wasserfall). Der 206 Kilometer lange Fluss Jökulsá á Fjöllum (dt. Gletscherfluss aus den Bergen) entwickelt sich auf seinem Weg zu einem der reißenden Flüsse Islands. Im Unterlauf der letzten 40 Kilometer stürzt dieser zunächst am Wasserfall Selfoss zehn Meter in die Tiefe. Einen Kilometer später stürzen an heißen Sommertagen 1500m³ pro Sekunde schlamm- und geröllhaltiges Wasser über 44 Meter am Dettifoss in die Tiefe. Sogar in 200 Meter Entfernung wirbelt der Wassernebel so heftig, dass man schnell nass wird. Bei dem tosenden Geräusch versteht man kaum sein eigenes Wort. Ein gigantischer Regenbogen bildet sich über dem Dettifoss.

Island_2012_T13-3Der Bus fährt flussabwärts des Jökulsá á Fjöllum nach Hljóðaklettar. Sechseckige, meterlange Basaltsäulen prägen die Landschaft. Die Entstehung der wabenförmigen Basaltlava ist sehr bizarr und umstritten. Die Abkühlung der Lava findet an der Erdoberfläche sehr langsam statt. Senkrecht zur Abkühlungsfläche entstehen meterlange sechseckige Säulen. Die eigenartigsten Felsformationen und Höhlen können wir hier bewundern, bevor es in die hufeisenförmige Schlucht nach Ásbyrgi weiter geht.

Am Abend kommen wir in Húsavík an. Wir schlagen unser Zelt auf einem Campingplatz oberhalb von Húsavík auf. Wir haben eine wunderbare Aussicht auf die Bucht. Den Sonnenuntergang können wir heute gut eingepackt einmal draußen genießen. Es weht nur ein schwacher Wind. Wir spielen Karten und verhaften eine Packung Haribo.

 

Tag 14: 04.08.2012    Tierisch gut

Island_2012_T14-1Húsavík ist bekannt für seine großartige Bucht und die Ansässigkeit vieler verschiedener Walarten. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und machen uns nach dem gemütlichen Frühstück auf der Wiese auf den Weg ins Walmuseum an den Hafen. Das Museum ist sehr interessant und informativ.

Knapp drei Stunden studieren wir die Walwissenschaft. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Anschließend machen wir uns mit dem ansässigen Walbeobachtungsanbieter „Gentle Gigants“ drei Stunden auf den Weg hinaus aufs Meer entlang der Bucht, wo reichhaltige Ablagerungen viele Walarten locken. So lange der Captain das Schiff steuert, stellt der Guide alle Wale und deren Eigenschaften vor die hier in der Bucht auftreten. Nach der kurzweiligen Anfahrt und gespanntem Suchen einer Fontäne aus dem Blasloch eines Buckelwals, bekommen wir den ersten zu sehen.

Island_2012_T14-2Unter Bildung eines Buckels taucht der Wal vier Mal unter die Wasseroberfläche ab und anschließend wieder auf um Luft zu holen. Nach dem vierten Mal Luft holen, tauch er für sieben bis acht Minuten ab. Die wunderschöne, weiße Fluke des Wales ist zu sehen. Und das aus zwei Meter Entfernung, echt Wahnsinn. Kurzzeitig schwimmen Delfine neben unserem Boot, als würden sie unser Boot begleiten wollen. Noch einige Buckelwale bekommen wir zu Gesicht, bevor wir wieder in den Hafen zurückkehren. Leider bekommen wir keinen Zwergwal zusehen, der in dieser Bucht doch sehr oft zu sehen ist. Um sich von der eisigen Schifffahrt etwas aufzuwärmen gibt es bei der Rückfahrt eine heiße Schokolade und einen Icelandic Donut.

Island_2012_T14-3Wieder an Land zurück setzten wir uns in ein Kaffee am Hafen und genießen die farbenfrohe Gegend und die Schneegipfel rund um die Bucht. Ein Supermarkt ist gleich nebenan. Dort kaufen wir den letzten Proviant für morgen und die Heimreise ein. Ein Abstecher zur netten Holzkirche, die 1907 erbaut wurde, darf auch nicht fehlen. Am Abend gönnen wir uns im Hafenrestaurant während des Sonnenuntergangs ein traditionell isländisches Fischgericht zum Abschluss unseres Urlaubs und feiern unseren Tourerfolg. Unvergessliche Erlebnisse auf Island....

 

Tag 15: 05.08.2012    Abschied nehmen

Heute geht´s mit dem Bus nach Akureyri. Ein Zwischenstopp in dem Städtchen, bevor wir den zwei Kilometer langen Fußweg an den Flughafen zurücklegen. Vom Miniflug-hafen Akureyri wollen wir wieder zurück nach Reykjavík. Alles klappt wie am Schnürchen.

Island_2012_T15-1Auf einer Bank am Meer genießen wir bei Sonnenschein unser Vesper. Noch 40 Minuten zu Fuß bis zum Buszentrum von Reykjavík. Von dort fahren wir in Richtung Westen zum internationalen Flughafen nach Keflavík. Wir erleben während der Busfahrt noch einmal einen herrlichen Sonnenuntergang auf der faszinierenden Insel. Island, wir kommen wieder!!

 

Bless,

Jürgen und Rebecca

 

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