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Unvergessene Touren Nicht, dass wir auch nur eine einzige unserer Touren vergessen würden. Nein, dafür haben sie uns zu sehr geprägt. Aber eine Verewigung an der richtigen Stelle kann ja nicht schaden, oder? Kochgeschirr oder Trinkbecher, Feuerzeug oder natürlich Messer jeder Art all diese wertvollen Begleiter eign Mehr Informationen...
Minus 30 Grad ... na und? Schließlich machen wir hier keinen Sonntags-spaziergang. Nein, stattdessen sind wir draußen in der Wildnis, mehrere Tagesmärsche von bewohntem Gebiet entfernt und der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Selbstverständlich sind wir seit Tagen allein hier draußen unterwegs.Welcher halbwegs norma Mehr Informationen...
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Sommertour Bärenroute, Finnland

D en Karhunkierros, wie die Bärenrunde auf Finnisch heißt, haben wir uns dieses Mal vorgenommen. In 5 Tagen wollen wir die 80 km durch den Oulanka-Nationalpark in Lappland zurücklegen. Die Rucksäcke sind schwer, schließlich müssen wir nicht nur unsere Ausrüstung sondern auch die ganze Verpflegung mitschleppen.

Wir gehen davon aus, dass wir in den frei zur Verfügung stehenden Hütten immer ein Nachtlager finden, so haben wir nur die Überplane unseres Iglu-Zeltes dabei. Damit könnten wir uns im Notfall auch eine Art Tarp basteln, so unser Plan.

 

Wir fliegen von Stuttgart über Helsinki in die Provinzhauptstadt Kuusamo. Morgen müssen wir dann von dort noch irgendwie bis in das kleine Dörfchen Hautajarvi kommen, den Startpunkt unserer Tour.

Tag 2: Da lacht das Outdoor-Herz

Nach einer knappen Stunde Flug heißt es dann aus dem Cockpit: "Cabin crew prepare for landing." Na endlich denke ich und schaue zu meinen beiden Kameraden rüber. Ich blicke in zwei strahlende Gesichter und in funkelnde Augen. Wir sind drei erwachsene Maschinenbau-Ingenieure, aber scheiß drauf, wir freuen uns wie kleine Kinder, schließlich träumen wir schon seit der gemeinsamen Studentenzeit von dieser Tour. Wir zwängen unsere Blicke durch die kleinen Fenster des Fliegers. Schon beim Anflug geht uns das Herz auf, diese Landschaft diese Natur, traumhaft. Meine Fingerspitzen tanzen wild auf meinen Oberschenkeln wie Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte.

Wir wollen nur noch rauß aus der Zivilisation und rein ins Abenteuer. Freudestrahlend marschieren wir über das Vorfeld auf das niedliche Flughafengebäude zu und nehmen unseren ersten Lungenzug original finnischer Lapplandluft. In unserer Euphorie ist es uns völlig Wurst, daß diese weniger nach Fichtenholz als vielmehr nach Kerosin duftet. Außer unserer Finnair-Maschine ist weit und breit kein einziges Verkehrsflugzeug zu sehen, das nenne ich Provinzflughafen. Es ist 15 Uhr, noch vor weniger als 24 Stunden waren wir noch mehr als 2.000 km südlich daheim beim Rucksackpacken und jetzt geht´s endlich richtig los, wir verlassen die Zivilisation. Erfürchtig studieren wir noch kurz die große Übersichtskarte des Nationalparks.

 

Jede Menge Seen und Flüsse, nur zweimal kreuzt der Pfad öffentliche Straßen. 80 km von Norden nach Süden durch Lappland, ganz nah an der Grenze zu Rußland entlang, anfangs durch dichte Wälder und gegen Schluß entlang auf den Bergrücken des Rukatunturi. Das riecht nach Abenteuer.

An die knapp 20 kg Marschgepäch, die jeder von uns schleppt verschwenden wir keinen einzigen Gedanken. Wir sind einfach nur begeistert und hochmotiviert. Schon nach wenigen 100 Metern beginnen wir wie besessen Fotos zu schießen. Gut daß uns keiner sehen kann, denke ich so vor mich hin. Wir benehmen uns ja schon fast wie eine Gruppe Japaner im Hofbräuhaus.

Das Wetter ist perfekt, so ca. 16-18°, trocken und eine leichte Brise, perfektes Wanderwetter also. Und so marschieren wir weiter und weiter immer den orangefarbenen Markierungen nach. Wir saugen die finnische Waldluft tief ein in unsere Lungen und genießen unsere Freiheit, als wären wir gerade aus dem Knast ausgebrochen. Bei jeder Gelegenheit lassen wir unsere Blicke schweifen und genießen die friedliche und menschenleere Landschaft.

Nach etwa 6 km und knapp 2 Stunden Marsch ist die erste Rastmöglichkeit auf unserer Trekkingstrecke in Sicht. Es ist eine sogenannte Laavu mit dem unaussprechlichen Namen "Perttumakoski". Ich habe mich entschlossen unser erstes Nachlager Camp Alpha zu nennen. Das hört sich nicht nur richtig cool an, sondern ist auch deutlich praktischer im Gebrauch als die holprigen finnischen Bezeichnungen. Apropos, was ist eigentlich eine Laavu? Laut Handbuch ist es eine Wetterschutzhütte, wobei der Begriff Hütte definitiv zu hoch gegriffen ist.

Da eine Seite, praktischerweise die zum Feuer hin, grundsätzlich offen ist, handelt es sich mehr um einen Unterstand. Obwohl ne, zum Stehen ist eine Laavu ja viel niedrig, also auch Quatsch. Na, eben ein zu niedrig geratenes Blockhäuschen mit Pultdach und 3 Wänden, gerade genug Platz für 3 bis 4 Outdoorer, die Spaß dran haben auf "gemütlichen" Holzbohlen mit Blick auf´s Lagerfeuer zu nächtigen. Ein Open Air Matratzenlager nur ohne Matratzen halt. Total einfach, aber einfach Klasse.

 

Aber das Beste ist die Lage. Gerademal 5 Meter neben unserem Lagerfeuer fließt der wunderschöne Fluß Savinajoki leichtfüßig über ein paar kleine Stromschnellen hinweg. Den Blick flußaufwärts gerichtet, das Rauschen des Flußes im Ohr und der Rauch des Lagerfeuers in der Nase. Das ist ja wie im Film oder im Traum oder, beides zusammen.

Auf jeden Fall kann ich es noch gar nicht fassen. Ich stehe vor einer wahnsinnigen Kulisse. Ich bin mir sicher, das ist der perfekte Fluß. Auch Bob Ross hätte den nicht besser hingekriegt.

Stundenlang sitzen wir noch am Feuer, Quatschen und genießen die Wildnis um uns herum. Wir sind total begeistert vom Polartag. Unser Camp liegt nur wenige Kilometer südlich des Polarkreises, die Sonne wird also in den Sommermonaten auch nachts nicht untergehen. Es ist jetzt etwa Mitternacht aber es ist immer noch taghell. Ein faszinierendes Gefühl!

Tag 3: Der perfekte Fluß

Die warmen Strahlen der Morgensonne wecken uns auf. Die Reflektion des Sonnenlichts auf der Wasseroberfläche des Flußes blendet mich so sehr, daß es mir schwer fällt die Augen zu öffnen.  Kaum zu glauben, aber der Blick heute früh auf den "perfekten" Fluß, den Savinajoki ist noch herrlicher als gestern.

Wer außer uns kann sonst noch in seinem Bett liegend, so etwas Gigantisches genießen? Wir grinsen uns gegenseitig an als wir uns aus den Moskitonetzen befreien.Selbst das Zähneputzen am Fluß genießen wir, als wären wir extra deswegen hierher gekommen.

Nach einem deftigen Frühstück und dem Befüllen unserer Wasserflaschen mit Flußwasser, brechen wir auf zur zweiten Etappe. Es liegen insgesamt noch 74 km Fußmarsch vor uns. An der Taivalköngas machen wir heute Rast. Wir kochen uns eine große Portion Nudeln aus der Tüte.

Nach dem Essen genießen wir noch ausgiebig die warmen Sonnenstahlen und die moskitofreie Luft. Beim studieren der Karte wird uns dann allerdings bewusst, das noch ein ordentliches Stück vor uns liegt. Na dann mal los.

Mittlerweile, wir sind so etwa bei Tageskilometer 17 schätze ich, spüre ich jedes einzelne Gramm auf meinem Rücken. Unter der Last jedes Schrittes glühen meine Sohlen, Schritt für Schritt. Aber was soll´s. Wer wird hier denn Jammern wollen. Zwischen 10 und 11 Uhr abends sind wir dann endlich angekommen in unserem Camp Bravo, der Ansakämppä. Die 29 km und 15 Stunden Fußmarsch des zweiten Tages haben spuren hinterlassen.

Heute ist nichts mehr mit Lagerfeuerromantik, wir sind einfach zu kaputt. Nach einem kurzen Abendessen und einer schnellen Tasse Tee geht´s gleich ab ins Bett.

Tag 4: Tierische Begegnung

Beim Frühstück haben wir uns vorgenommen, daß wir die nächsten Etappen sehr sorgsam planen, schließlich müssen wir unsere Kräfte sinnvoll einteilen Aber wir sind zuversichtlich. Durch die gestrige Megaetappe haben wir ja ungewollt schon fast die Hälfte der Gesamtstrecke hinter uns gebracht. Wir können also die nächsten Tage eher ruhig angehen. Das Wetter ist schon wieder genial, ebenso die Landschaft. Und schon das morgendliche Zähneputzen am Fluß verbreitet diese faszinierende Abenteuer-Romantik.Wir folgen dem Pfad weiter Richtung Süd-Osten am Steilufer des Oulankajoki entlang. Durch die kleinen eingeschnittenen Quertäler sind immer wieder kurze, aber knackige Auf- und Abstiege zu bewältigen. Der Oulankajoki fließt noch so etwa 10 km weiter Richtung Süd-Osten und quert dann die russische Grenze. Nachdem wir über einen Höhenzug trockenen Fußes durch ein Sumpfgebiet marschiert sind, laufen wir ein kurzes Stück am wunderschönen Kulmakkajärvi-See entlang und erreichen die Jussinkämppä, ein netter Rastplatz direkt am See, wäre auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Aber wir sind noch fit und wollen es heute noch bis zum Fluß Kitkanjoki schaffen.

Als wir unser heutiges Etappenziel nach insgesamt 13 km schon um halb fünf erreichen, machen wir eine tierische Entdeckung. Wenige Meter hinter unserem angepeilten Nachtquartier grast gemütlich ein Rentier. Zu unserem Erstaunen war der Einheimische weniger von uns beeindruckt als wir von ihm und futtert gelassen weiter. Wau, ist das gemütlich in so einer Kota, einer Lappenhütte, unser Camp Charly direkt am Kitkanjoki. Das haben die sich echt gut ausgedacht, die Lappen. In der Mitte des quadratischen Grundriß mit guten drei auf drei Meter ist die Feuerstelle. Die Wände sind nur so etwa einen Meter hoch und das pyramidenförmige Dach ist an der Spitze offen. Über die Öffnung ist nochmal ein kleines Dächlein gesetzt, so kann der Rauch zwar raus, der Regen und Schnee aber nicht rein. Dieser Rauchabzug funktioniert perfekt.

Tag 5: Lagerromantik

Die wenigen Habseligkeiten sind gepackt, wir sind gut erholt, es kann also wieder losgehen. So gegen 9 Uhr starten wir zur vierten Tagesetappe unserer Tour.

Es ist ein schmaler Pfad immer am traumhaften Kitkanjoki entlang. Das Wetter ist prächtig. Wir überqueren den Fluß über eine mächtig lange Hängebrücke. Nach weiteren 5 km erreichen wir die Siilastupa, einen netten Rastplatz am Wasserfall Jyrävä.

Die zweite Tageshälfte beginnt mit leichtem Regen. Wir folgen dem Pfad weiter in Richtung Süden und lassen den Oulanka-Nationalpark hinter uns. Es sind noch ca. 8 km bis zur Porontimajok, dort wollen wir die Nacht verbringen, nahe dem Porotima-See.

Und da ist es, unser Camp Delta. Es besteht aus zwei Hütten, einer Laavu und einer offenen überdachten Kochstelle. Eine der beiden Hütten ist direkt über den malerischen Bach gebaut. Eine romantische Holz-Brücke bildet eine Art Eingangsportal in diese wunderschön gemütliche Lageratmosphäre, wie aus dem Pfadfinderlehrbuch. Es ist kurz nach fünf als wir ankommen. Gut 18 km haben wir heute hinter uns gebracht. Wir sind gut gelaunt, wie könnte es auch anders sein nach einer eher weniger anstrengenden Tagesetappe und einem so genialen Lagerplatz. Und das Beste ist, wir sind die einzigen hier, zumindest bisher.

Bei unserer Ankunft regnet es noch. Ich schmeiße den Rucksack in die Hütte, ziehe mein verschwitztes Hemd aus und genieße die kühlen Regentropfen auf der Haut, einfach herrlich. Allerdings muß ich schnell feststellen, daß die verdammten Moskitos trotz dem Regen gnadenlos zubeißen. Also vergessen wir das wieder mit dem freien Oberkörper.

Pünktlich zum allabendlichen Hochfahren des Lagerfeuers hört der Regen auf. Alex entscheidet sich noch vor dem Essen für eine Dusche. Natürlich für eine echte Outdoor-Dusche im eiskalten Porontimajoki. Sanjka und ich lehnen dankend ab. Mit viel Respekt geben wir zu: Das ist nur was für die ganz harten Jungs.

Tag 6: Die Schenkel brennen

Die Sonne strahlt, die Temperaturen sind sommerlich. Der Wasser im Bach ist trotzdem arsch-kalt. Aber egal, das Morgenritual mitten in der fast unberührten Natur macht wie immer Spaß, ein Waschbecken vermißt eigentlich keiner von uns. Bevor wir so gegen 10 Uhr losgehen genießen wir noch die warmen Sonnenstrahlen und die noch moskitofreie Morgenluft.

Wir tragen uns in das Gästebuch der Hütte ein und blättern zurück. Da fällt uns ein Eintrag eines schweizer Ehepaars auf, daß dieses Jahr hier Silvester gefeiert hat. Die Bärenrunde im Winter, das muß ja ein grandioses Abenteuer sein. Die strahlenden Gesichter von Alex und Sanjka verraten mir auch ohne Worte sofort: "Wir sind dabei!" Es sind noch etwa 16 km bis nach Ruka. Das könnten wir eigentlich heute noch schaffen. Bei der abendlichen Etappenplanung waren wir uns jedoch einig, daß wir kurz vor Ruka noch einen letzten Abend fern von der Zivilisation verbringen wollen. Außerdem sollen die letzten Kilometer bis Ruka entlang auf der Rukatunturi Bergkette sehr anstrengend sein.

Bisher waren wir überwiegend im Höhenmeter-Bereich von 250 bis 300 unterwegs. Der Höhenzug des Rukatunturi bewegt sich im Bereich von 400 bis knapp 500 m. Nach den ersten 4 km des heutigen Tages erreichen wir den Kumpuvaara. Erstmals auf unserer Tour dürfen wir nun eine super Fernsicht über Finnisch-Lappland genießen.

In Richtung Süden können wir in der Ferne das Ziel unserer Trekking-Tour erkennen. Das Skigebiet von Ruka, das Ende des Karhunkierros der Bärenrunde. Bis dahin sind es nur noch 12 km. Jetzt wird uns erst richtig bewußt, daß wir uns morgen schon in der Zivilisation wieder finden werden. Unsere Gefühle sind durchwachsen. Einerseits freuen wir uns auf den Moment voller Stolz in Ruka einzutreffen mit der Gewißheit eine große Herausforderung gemeistert zu haben, andererseits spüren wir natürlich auch, wie ein tolles Abenteuer dem Ende zugeht. Der Beginn des Rukatunturi Höhenzuges markiert der 407 m hohe Konttainen. Bis dahin sind es nicht einmal 2 km. Aber die haben es verdammt in sich. Ein ewiges auf und ab. Teilweise müssen wir uns zusätzlich mit den Händen an den herausragenden Wurzeln und an den Bäumen hochhangeln. Aber auch die unzähligen präparierten Stufen entlocken uns keinen Freudenschrei, die Oberschenkel brennen fürchterlich.

Als wir den Gipfel des Konttainen erreichen, mag noch keiner so recht glauben, daß das noch gar nicht der höchste Punkt unserer Tagesetappe ist. Der Valtavaara-Gipfel steht uns noch bevor. Na dann noch viel Spaß.

Egal, wir müssen erstmal wieder ordentlich Kalorien tanken, also putzen wir eine doppelte Portion Früchte-Müsliriegel weg. Außerdem noch eine große Tüte Studentenfutter. Man glaubt es kaum wieviel das Zeug an schneller Energie liefern kann. Der wertvollste Proviant für jede Tour, da sind wir uns einig.

Nach weiteren unzähligen auf-und-abs stehen wir dann irgendwann auf dem Gipfel des Valtavaara. Hiermit gebe ich feierlich bekannt, daß soeben die allerletzte Kalorie meines Körpers verbrannt wurde. Amen. Aber hey Jungs schaut euch um. Das war die Mühe doch wert, oder? Etwa 500 Meter nach dem Gipfel müßte laut Karte ein Rastplatz an einem kleinen See kommen. Auf geht´s, das schaffen wir heute gerade noch.

Endlich, Camp Echo ist in Sicht, es ist kurz nach vier. Es ist die Laavu Valtavaaranlampi. Wir sind total kaputt. Das waren doch nur 13 km, aber hammermäßige Höhenunterschiede waren zu bewältigen. Der kleine See direkt vor uns ist wunderschön. Sogar zwei Schwäne paddeln gemütlich ihre Runden. Es weht ein kühles Lüftchen, schließlich sind wir hier auf 415 m n.N. Das ist für finnische Verhältnisse schon fast Hochgebirge.

Unsere Wasservorräte sind mal wieder komplett erschöpft, außerdem müssen wir dringend Energie tanken. Plötzlich wird uns bewußt, daß wir uns in den vergangegen Tagen völlig damit begnügt hatten, die einfachsten Grundbedürfnisse zu befriedigen. Alles andere kommt uns mittlerweile schon als purer Luxus vor. In der Natur zu leben, die Landschaft zu genießen, die Freiheit zu spüren, das ist so viel mehr wert, als den täglichen Luxus an den man sich so gewöhnt hat.

Wie jeden Abend ziehen wir uns mal wieder literweise Tee rein, um unseren Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen. Auch die Essenszubereitung läuft wie am Schnürchen. Nachdem jeder seine Essensvorräte übersichtlich ausgebreitet hat, einigt man sich nach kurzer Absprache, auf drei Trockennudelgerichte aus der Tüte: Schwäbische Kässpätzle, Asiatische Nudeln süß sauer und Nudeln mit Broccoli Champignons. Viel zum übelegen gabs ohnehin nicht, schließlich waren das die letzten der insgesamt fünfzehn Tüten Nudeln, die im Gepäck waren.

Die anschließende Inventur unserer Vorräte war schnell erledigt, denn das war unser letzter Tag in der Wildnis. Zum letzten Frühstück morgen früh stehen uns zur Verfügung: ein paar Landjäger, 3 Scheiben Käse, 6 Stück Knäckebrot, 4 Portionen Müsli mit Milchpulver und genau 5 Müsliriegel. Wir waren uns einig, daß so die perfekte Proviantplanung aussieht. Realistisch wie wir sind, hatten wir nämlich von Anfang an berücksichtigt, daß wir beim Angeln erfolglos bleiben könnten.

In diesem Moment spüre ich - tief in meiner schwäbischen Seele - für einen kurzen Moment einen fiesen kleinen Schmerz, wenn ich an die stattlichen 32 Euro denke, die wir im Besucherzentrum in die Angellizenz investiert hatten.

Tag 7: Wir sind am Ziel

Unser Frühstück ist spartanisch, Reste essen eben. Aber das macht nichts, wir sind sehr bescheiden geworden was das angeht. Wir schleppen uns durch die paar wenigen, aber heftigen Auf- und Abstiege entlang der Rukatunturi-Bergkette und kurz vorm Ziel noch quer über die Pisten des Skigebiets, wo wir zu unserer Überraschung sogar noch mit Altschnee bedeckte Pisten kreuzen müssen.

Hallo? Ok, wir sind in Finnland, aber es ist immerhin Mitte Juni bei knapp 20° C, plus wohlgemerkt. Da hat ja wohl jemand vergessen die Schneekanone abzuschalten, oder!?
Ruka ist sehr schön gelegen und bei Finnen insbesondere im Winter ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Im Sommer ist hier eher weniger los.

Ja und nun sind wir am Ziel. Wir haben es geschafft, 80 km Fußmarsch und 5 Tage und Nächte in den Finnischen Wäldern fernab der Zivilisation liegen hinter uns.
Mit stolzem Siegerlächeln und erhobenen Händen schreiten wir wie in Zeitlupe durch das große Holztor mit der Aufschrift "Karhunkierros". Die Bärenrunde ist bezwungen. Wir nehmen uns viel Zeit für die Siegerfotos um unseren Erfolg zu verewigen.

Das weitere Vorgehen war schnell abgestimmt: Hotelzimmer besorgen, Duschen, Bier trinken, Essen, Sauna, in einem richtigen Bett schlafen. Genau in dieser Reihenfolge.

Übrigens, nach 5 Tagen mit abgekochtem Flußwasser schmeckt sogar die finnische Hausmarke wie ein edles frisch Gezapftes nach dem deutschen Reinheitgebot.

Tag 8: Zurück in die Zivilisation

Obwohl uns das mächtige Frühstücksbuffet im Hotel fast erschlägt, hauen wir natürlich richtig rein. Mit vollen Bäuchen aber traurigem Blick fangen wir auf der Fahrt zum Flughafen die letzten Bilder Lapplands ein. Beim Zwischenstopp auf dem Flughafen in Helsinki ist es dann endgültig soweit, wir stecken wieder mitten drin im hektischen Treiben. Wir fühlen uns unwohl inmitten der Menschenmassen. Schon jetzt vermissen wir den Freiraum, die Einsamkeit und vor allem die Ruhe draussen in der Natur.

Kurz vor der Landung in Stuttgart beobachte ich meine beiden Tour-Kameraden. Ihre leeren Blicke schweifen über den Wolkenteppich unter uns. Sind sie traurig, darüber dass unsere wunderbare Tour zu Ende ist? Oder genießen  sie einfach nur die Erinnerung an die tollen Nächte am Lagerfeuer? Es könnte aber auch sein, dass die beiden schonmal die richtigen Worte suchen, um ihren Frauen zu offenbaren, dass wir die nächste Trekking-Tour schon fest im Blick haben.